„Ich würde wohl nicht komponieren, wenn es kein anderweitig für mich unstillbares Kommunikations-verlangen gäbe. Deshalb äußere ich mich auch ungern verbal zu meiner Musik, bevor nicht andere auf sie reagiert haben.“
Rebecca Schmid schreibt zum lunch & after work Konzert am 18. Mai mit Stefan Keller im Café Meina Haus am See:
Es braucht etwas Chuzpe, ein traditionelles Instrument wie die Tabla-Trommel neben Elektroklänge zu stellen. In den Werken von Stefan Keller wird diese Abenteuerlichkeit dennoch durch eine gewisse Demut gemässigt. Auch wenn der Komponist das Tabla-Spiel gut genug beherrscht, um das Instrument selbst zu spielen, während er gleichzeitig die Live-Elektronik steuert, besteht er darauf, keiner Virtuose zu sein.
In „Prélude“ für Tabla und Live-Elektronik, sind Kellers Trommelfiguren mal in der uralten nordindischen Tradition des Instruments, mal nicht. Stets entsteht jedoch ein organischer Bezug zwischen den verschiedenen Klängen, die kräftig mit einem metallischen Widerhall aufeinander wirken.
Deutlich bemerkbar ist die Prägung durch die Teilnahme an einem Lehrgang 2009 am Ircam in Paris, obgleich sich Keller bereits früher während seines Studium mit Elektronik befasst hat. Der Reiz besteht darin, dass man Zugang zu einem erweiterten Ausdruckspektrum hat, so Keller, sowie eine Körperlichkeit, die nicht direkt an den Spieler gebunden ist. Dadurch erreicht man eine andere Klangenergie.
Der in Zürich-geborene Komponisten war ursprünglich Oboist, bevor er sich der Komposition zuwendete. Einen besonderen Reiz stellte für ihn die Neue Wiener Schule dar. Solche Spuren werden in der wirbelnden Melodik und emotionalen Verzweiflung von „immer da“ für Bassklarinette und Live-Elektronik offenbar. Eine meditative Qualität ergibt sich durch den ausgedehnten harmonischen Hintergrund von Kellers Laptop erzeugt—somit der Titel, den der Komponist als „ganz banal“ bezeichnet.
Auch bei ungewöhnlichen Instrumentationen schafft der Komponist eine ausgewogene Stimmung. In seinem „Trio“ für Tabla, Klarinette und Violine übernehmen die treibenden Rhythmen des Trommelpaars neben fragmentierten Sätzen und quietschenden Tönen eine stabilisierende Rolle.
Keller glaubt, es sei besonders wichtig, Tabla live zu hören. Ansonsten hätten die meisten Leute keinen Anlass, das Instrument kennenzulernen. Immer noch ist er auf der Suche nach neuen Klangkonstellationen. Momentan schreibt er ein Quartett für Klarinette, Fagott, Bratsche, und Schlagzeug – darunter unter anderem High-Hat, Bongos, Marimba und noch andere, bis jetzt unbekannte Perkussionsinstrumente.
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